
Lebendiger Abend der Sprach- und Heimatgeschichte beim Sponsel
Die Frage „wo wohnen denn die Gebhard(t)“ kann in Kirchehrenbach schwierig werden. Welcher ist denn gemeint. Der Klesldicka; der Gärscht; der Göch; oder Schlöttera; der Kleslhansgörngheina: der Hufjoffas; die Schöllbeckn; Reckl; Reef; Schertl; Rüß oder ist gar der Hufhanskoarz gemeint der gesucht wird. Hilft hier der Hausname weiter?
Diese Frage hat Kreisarchivar Georg Knörlein am 12. März 2025 im Rahmen der Kulturwochen des Kunst- und Kulturvereins im Gasthaus Sponsel beantwortet.
Vor ausverkauftem Haus mit äußerst interessierten Zuhörern zelebrierte Georg Knörlein einen lebendigen Abend der Heimatkunde und Sprachgeschichte.
Für die Steuererhebung waren im Katasteramt (1848) eindeutige Kennzeichnung eines Grundbesitzes oder Hofes notwendig.
Der Namensträger wurde durch einen Beinamen ergänzt. So wurde durch lokale Differenzierung aus einem „Götz“ der Bach-Götz oder der Staffel-Götz. Beinamen waren sehr vielfältig. Sie konnten eine Berufsbezeichnung „Schuster, Schneider, Beckn (Bäcker) oder auch der Wirtsfriedrich der Abkömmling eines Wirtes namens Friedrich sein. Gebräuchlich waren auch Herkunftsnamen wie z.B. der „Schwabenkonla“ ein Konrad der aus dem Schwabenland zugereist ist, oder der Schwedenjoseph, ein Soldat der nach dem 30-jährigen Krieg in Kirchehrenbach gelandet ist. Interessant auch der Name Bongschütz-Korla, es handelt sich nicht um einen Krieger der Bogenschützen war, sondern um einen Karl der in einem Theaterstück einen Bogenschützen gespielt hat. Der Froh-Heiner ist kein Heinrich der fröhlich war, sondern nach heutigem Sprachgebrauch ein Dienstleister der Frondienste erbracht hat.
Solche und weitere kuriose Namensgebungen sind auch durch Schreibfehler und Dialektmissverständnissen der Katasterbeamten (1848) aus München entstanden. So ist der Ross-Joseph zu erklären, der eigentlich keine Pferde besessen hat, sondern auf seinem Anwesen Flachs gedörrt hat. (geröstet Rüss).
Im zweiten Teil seiner Heimatkunde hat Georg Knörlein mit seinem Auditorium einen virtuellen Rundgang durch Kirchehrenbachs Strassen und Gassen mit all seinen Hausnamen gemacht. Vielfach ging ein wiedererkennendes Raunen und leises Getuschel durch das Wirtshaus.
Vielleich kann man im nächsten Jahr den Abend wiederholen, wenn Georg Knörlein sei neues Buch Kirchehrenbachs Hof- und Hausnamengeschichte vorstellen wird.
Ein Abend der in unserer aufregenden Zeit die Ruhe der Vergangenheit wird wieder aufleben lassen.
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